Arbeitsstaatssekretärin Huml und Dr. Prast: Gute konjunkturelle Lage beflügelt Ausbildungsstellenmarkt - 1.005 unversorgte Bewerber am 30. September - 5.689 Lehrstellen noch unbesetzt
“Die in den vergangenen Jahren gute konjunkturelle Lage hat auch den Ausbildungsstellenmarkt in Bayern beflügelt. Ende September standen 1.005 unversorgten Bewerbern noch 5.689 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. Zwar gibt es regional unterschiedliche Entwicklungen, aber rein rechnerisch können wir jedem Bewerber mindestens ein Angebot unterbreiten. Für dieses Jahr wurden dafür insgesamt rund 160 Millionen Euro eingeplant. Ich gehe davon aus, dass bis zum Jahresende jeder Bewerber versorgt sein wird”, erklärte Dr. Franz Prast, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. Zusammen mit den Ausbildungspakt-Partnern zeigte sich Dr. Prast sehr zufrieden mit der Entwicklung des Ausbildungsstellenmarktes.
Dieses erfreuliche Ergebnis ist nach den Worten von Bayerns Arbeitsstaatssekretärin Melanie Huml auch auf die Initiativen der Staatsregierung zurückzuführen. “Die Staatsregierung hat in diesem Jahr wieder über 23 Millionen Euro in die Hand genommen und ein neues Programm zur Verbesserung der Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt aufgelegt - ‘Fit for Work - 2008′. Damit investieren wir in die Zukunft der Jugendlichen. Schwerpunkte des Programms sind die Förderung von betrieblichen Ausbildungsplätzen, die Unterstützung der regionalen Mobilität von Jugendlichen aus Arbeitsagenturbezirken mit ungünstigem Bewerber-Stellen-Verhältnis sowie die Förderung von Ausbildungsplatzakquisiteuren.” Zugleich appellierte die Staatssekretärin an alle Jugendlichen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen und noch nicht bei der Berufsberatung waren, dies jetzt dringend nachzuholen. “Es gibt noch viele Betriebe, die Auszubildende suchen - nutzt diese Chance und seid offen bei Eurer Berufswahl!”, so Huml. Dabei sollten die persönlichen Fähigkeiten des Jugendlichen den Ausschlag geben, nicht die gesellschaftliche Bedeutung eines Berufs oder ein vorgeprägtes Bild davon, was ‘Frauen bzw. Männer lernen oder arbeiten sollten’.
Dr. Prast: “88.177 Ausbildungsstellen meldeten die Betriebe den Arbeitsagenturen in Bayern im Laufe der vergangenen zwölf Monate, 7.513 oder 9,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das war die höchste Steigerung unter allen Regionaldirektionen/Bundesländern. Für mich ist das ein klares Signal, dass die Personalverantwortlichen in den Betrieben die Zeichen der Zeit erkannt haben und in Ausbildung sowie in ihre zukünftigen Fachkräfte investieren.” Die Zahl der Bewerber im Laufe des Beratungsjahres lag mit 94.652 um 13.449 niedriger als im Vorjahr. Klaus Beier, Mitglied der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, sieht hierfür vor allem zwei Ursachen: “Einerseits hat so mancher Jugendliche noch einen schulischen Versuch gestartet, um seine Noten zu verbessern oder einen höheren Abschluss zu erwerben. Andererseits machen sich hier demographische Faktoren bemerkbar. Die Zahl der Jugendlichen und damit der Schulabgänger geht zurück.”
Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), wies darauf hin, dass die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich der IHK - also bei Industrie, Handel und Dienstleistung - im September 2008 ein absolutes Allzeithoch erreicht hat: “Niemals zuvor haben die bayerischen IHKn so viele neue Ausbildungsverträge registriert wie in diesem Jahr. Bis Ende September sind bei den IHKn 56.000 neue Ausbildungsverträge eingegangen - das beste Ergebnis aller Zeiten. Einen weiteren Höchststand können wir auch bei der Anzahl der IHK-Ausbildungsbetriebe verbuchen. Sie ist in den vergangenen zehn Jahren um stolze 40 Prozent gestiegen und hat bereits im Dezember 2007 eine neue Rekordmarke von 34.000 erreicht.” Allein seit Januar sei es den bayerischen IHKn gelungen, weitere 4.833 Firmen für die duale Ausbildung zu gewinnen, die insgesamt 5.699 neue Lehrstellen zur Verfügung stellen. “Mittlerweile kann die bayerische Wirtschaft immer häufiger offene Lehrstellen nicht besetzen. Damit haben die Unternehmen mittel- bis langfristig ein eklatantes Fachkräfteproblem”, so Driessen.
Bernd Lenze, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Handwerkskammern, erklärte: “Das bayerische Handwerk hat sich 2008 zum Ziel gesetzt, das gute Ausbildungsergebnis des Vorjahres erneut zu bestätigen. Am 30. September verzeichneten die bayerischen Handwerkskammern bereits wieder 27.697 neu abgeschlossene Lehrverträge. Damit liegen wir aktuell sogar 0,5 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres.” Mit 9.128 neu eingeworbenen Ausbildungsplätzen und 2.998 neu eingetragenen Ausbildungsbetrieben seien die Anforderungen des Ausbildungspakts bereits heute übererfüllt. “Um Jugendliche mit altersgerechten Aktionen für das Handwerk zu gewinnen, haben wir in diesem Jahr die Kampagne ‘Macher gesucht’ gestartet, die wir in den kommenden Jahren fortsetzen wollen. Im Rahmen der Aktion wurden bei Casting-Shows drei ‘Supermacher’ gekürt”, teilte Lenze mit.
“Die überaus positive Entwicklung auf dem Berufsbildungsmarkt ist dem weiterhin hohen Ausbildungsengagement der Betriebe zu verdanken”, erklärte Dr. Christof Prechtl, Geschäftsführer der Abteilung Bildung der vbw-Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., und ergänzte: “Es bleibt aber eine Problemgruppe, der wir uns verstärkt werden annehmen müssen: die geringqualifizierten Jugendlichen. Auch ihnen müssen wir mit Blick auf den bevorstehenden Fachkräftemangel den Weg in die Ausbildung erleichtern. Die Zukunft der Ausbildung besteht deshalb in ihrer Spreizung. Das heißt: Es wird mehr theorieentlastete Ausbildungsberufe an dem einen und mehr duale Studiengänge an dem anderen Ende geben müssen. Mit einer stärkeren Differenzierung in der Ausbildung können wir das noch vorhandene Potenzial bei den Gering- und Hochqualifizierten ausschöpfen.”
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Familie und Frauen - PM vom 13.10.2008
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